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Hundesportarten

Wasserarbeit

Hund und Mensch üben Rettungs- und Apportieraufgaben im See: Boot ziehen, Ertrinkende bergen, Gegenstände zurückholen. Ursprünglich die Domäne der Neufundländer.

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DVG
Regelwerk
VDH-Prüfungsordnung Wasserarbeit, gültig ab 1. April 2026
Hund mit Schwimmweste zieht eine Person mit orangem Schwimmring durch einen See
Foto: PaterMcFly, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Worum geht es?

Bei der Wasserarbeit übernimmt der Hund Aufgaben, wie sie früher Fischer und Rettungsschwimmer von ihm brauchten. Er holt Gegenstände aus dem Wasser, zieht ein Boot an Land, bringt einem „Ertrinkenden“ den Rettungsring oder schleppt eine regungslos treibende Person ans Ufer. Das Vorbild ist der Neufundländer, der auf seiner Heimatinsel den Fischern half. Für ihn und verwandte Rassen wie den Landseer ist die Wasserarbeit so artgerecht wie das Hüten für Hütehunde. Der Deutsche Neufundländer Klub hat sie lange getragen.

Laut DVG gibt es Wasserarbeit in Deutschland seit rund 100 Jahren, lange aber ohne feste Strukturen. 2012 fand sie im DVG ein Zuhause, 2018 erkannte der VDH das Regelwerk als eigene Prüfungsordnung an. Seit 2016 gibt es zusätzlich die Potpourri-Diplome nach dem Vorbild der Portugiesischen Wasserhunde. Sie passen zu agilen, weniger kräftigen Hunden.

Wichtig zur Abgrenzung: Wasserarbeit ist Sport. Sie ist weder eine Ausbildung zur Wasserrettung im Einsatz, noch ist sie die Sparte „Wasser“ der Rettungshundeprüfung, die einer eigenen Ordnung folgt.

Wie läuft eine Prüfung oder ein Turnier ab?

Geprüft wird in Diplomen. Es gibt drei Linien:

  • Traditionelle Diplome A bis D für die schweren Wasserhunde. Das A-Diplom beginnt mit Folgen an der Leine, Tragen eines Gegenstands, dem Zurückziehen eines Surfbretts mit Surfer und Apportieren über etwa 20 bis 25 Meter. Im B-Diplom arbeitet der Hund ohne Leine, birgt eine Puppe und zieht ein Boot. Ab C und D geht es um echte Rettungsbilder mit Rettungsring, bewusstlosen Personen und zwei Booten.
  • Potpourri-Diplome (PP-Beginner, PP und PP1) mit wendigen Aufgaben, etwa Abrufen vom Ufer zum Boot.
  • Team-Arbeitsdiplom und Team-Arbeitsdiplom Advance, bei denen Mensch und Hund gemeinsam schwimmen und retten, inklusive Verhalten zwischen Badegästen an Land.

Ganz oben steht das Internationale Diplom nach den Regeln der FCI. Ein Diplom bringt 200 bis 350 Punkte, das internationale 100. Bestanden ist es ab 60 Prozent, „Vorzüglich“ gibt es ab 90 Prozent. Bei den meisten Übungen ist ein zweiter Versuch erlaubt, der dann nur halb zählt. Die Leistungsrichterin oder der Leistungsrichter steht am Ufer und gibt Start und Ende jeder Übung vor.

Voraussetzungen

  • Mindestalter: 12 Monate für das A-Diplom und PP-Beginner, 15 Monate für B und PP, 18 Monate für C, PP1 und die Team-Diplome, 24 Monate für D und das Internationale Diplom.
  • Die BH/VT (für euch als Hundeführende samt Sachkundeprüfung) braucht ihr spätestens vor dem C-Diplom, dem PP1-Diplom und dem Team-Arbeitsdiplom. Beim PP-Diplom nennt die Ordnung sie ebenfalls schon.
  • Der Hund trägt ein Wasserarbeitsgeschirr, ihr selbst einen Neoprenanzug oder eine Rettungsweste.
  • Teilnehmen kann jeder Hund, der den Aufgaben gewachsen ist. Er braucht Kraft, Kondition und Ausdauer. Jugendliche unter 18 brauchen die Unterschrift der Eltern.

Was braucht ein Verein dafür?

Das Entscheidende ist ein Gewässer: See, Fluss oder Meer, groß genug für Distanzen von 25 bis 50 Metern, mit flachem Einstieg und der Erlaubnis, dort mit Hunden und Booten zu üben. Einen Hundeplatz braucht ihr dafür kaum.

An Material kommen dazu ein bis zwei Boote, Bojen als Markierung, Rettungsring, Schwimmseile, ein Surfbrett, eine Puppe in Kindergröße, Paddel und Apportiergegenstände.

Der eigentliche Aufwand sind Menschen. Jede Prüfung braucht Bootsfahrende, eine Ringsekretärin oder einen Ringsekretär und Helfende, die im Wasser „ertrinken“ oder bewusstlos treiben. Beim D-Diplom und den Team-Diplomen kommen so schnell sechs Personen und mehr zusammen. Prüfungen brauchen Terminschutz, mindestens acht Teams und eine VDH-Leistungsrichterin oder einen VDH-Leistungsrichter für Wasserarbeit. Gearbeitet wird nur bei Tageslicht, ein Arzt und ein Tierarzt müssen erreichbar sein. Die Saison hängt natürlich an der Wassertemperatur.

Für wen passt das?

Klassisch für Neufundländer, Landseer und andere große Wasserhunde, laut DVG und VDH aber auch für Labradore und Retriever. Über die Potpourri-Diplome kommen leichtere, wendige Hunde dazu. Der Einstieg mit dem A-Diplom ist niedrigschwellig.

Für die Menschen ist es nasser Teamsport. Ihr steht im Wasser, fahrt Boot oder spielt selbst die zu rettende Person. Wer gern am See ist und eine Gruppe Gleichgesinnter mitbringt, hat hier viel Spaß. Für einen kleinen Verein ohne eigenes Gewässer ist die Wasserarbeit eher ein gelegentliches Gemeinschaftsprojekt als eine Sparte für jede Woche.