Worum geht es?
Im Rettungshundesport lernt der Hund, versteckte Menschen zu finden und deutlich anzuzeigen, nach dem Vorbild der echten Suche nach Vermissten oder Verschütteten. Dazu kommt ein zweiter Teil aus Unterordnung und Gewandtheit: Gehorsam, Lenkbarkeit auf Distanz und das sichere Überwinden von Tunneln, Brücken, Leitern und wackeligem Untergrund.
Geprüft wird in Sparten. Jeder Hund muss mindestens eine davon beherrschen:
- Fläche: Suche in offenem und bewachsenem Gelände
- Trümmer: Suche in einer Anlage aus Gebäudeschutt
- Fährte: Ausarbeiten einer Fährte mit Gegenständen bis zur Person am Ende
- Mantrailing: Verfolgen des Individualgeruchs einer bestimmten Person
- Lawine und Wasser als Sonderfälle
Die Anzeige wählt ihr selbst und meldet sie vor der Suche an: Verbellen, Bringseln (der Hund nimmt ein Bringsel ins Maul und holt euch) oder Freiverweisen (er läuft zurück und führt euch hin).
Sport, nicht Einsatz
Das ist der wichtigste Punkt. Der DVG bildet im Rettungshundesport ausdrücklich nicht für den Ernstfall aus: keine Sanitätsausbildung, kein Funkkurs, keine Alarmbereitschaft rund um die Uhr. Auch die Prüfungsordnung stellt klar, dass nur eine Einsatzorganisation einem Team die Einsatzfähigkeit zuerkennen kann. Solche Einsatzstaffeln gibt es zum Beispiel bei der Feuerwehr Vockerode, die auch auf dem Gelände in Parnitz trainiert. Der Sport kann eine gute Grundlage sein, ersetzt diesen Weg aber nicht.
Wie läuft eine Prüfung oder ein Turnier ab?
Jede Sparte hat drei Stufen: die Vorprüfung V und die Prüfungen A und B. Eine Prüfung besteht aus zwei Teilen, der Nasenarbeit und der Unterordnung mit Gewandtheit. In der Stufe V gibt es je Teil bis zu 100 Punkte, in A und B für die Nasenarbeit bis zu 200. Bestanden hat, wer in jedem Teil mindestens 70 Prozent schafft. Die Noten reichen von „Befriedigend“ bis „Vorzüglich“ (ab 96 Prozent). Wird die Person nicht gefunden, ist die Prüfung nicht bestanden.
Die Anforderungen wachsen deutlich. Zwei Beispiele aus der Prüfungsordnung:
| Sparte | Stufe V | Stufe A | Stufe B |
|---|---|---|---|
| Fläche | ca. 5.000 m², 1 Person | 20.000–25.000 m², 2 Personen | 40.000 m², 3 Personen, max. 30 Min. |
| Trümmer | 400–600 m², 1 Person, max. 10 Min. | 800–1.000 m², 2 Personen, max. 20 Min. | 1.200–1.500 m², 3 Personen, max. 30 Min. |
In Unterordnung und Gewandtheit zeigen die Teams unter anderem Freifolge, Bringen, Lenkbarkeit über mehrere Tische und das Tragen und Übergeben des Hundes an eine fremde Person, dazu Tunnel, Brücken und Leiter.
Abgenommen werden die Prüfungen von Prüfungsrichterinnen und -richtern, die von der FCI oder IRO zugelassen sind. Im DVG sind das die Leistungsrichter für Rettungshundesport.
Voraussetzungen
- Mindestalter des Hundes: 15 Monate für V, 18 Monate für A und 20 Monate für B.
- Für die Stufe A braucht ihr die bestandene Vorprüfung derselben Sparte. Für B in Fläche, Trümmer, Fährte und Mantrailing braucht ihr zwei A-Prüfungen mit mindestens „Gut“.
- Größe, Rasse und Abstammung spielen keine Rolle. Der Hund muss gechippt oder tätowiert sein.
- Für die Vorprüfung verweist die internationale Ordnung auf die Regeln des jeweiligen Landesverbands. Ob davor eine BH/VT verlangt wird, klärt ihr am besten direkt mit dem DVG.
- Laut DVG sollte der Hund Fremden und anderen Hunden gegenüber neutral und nicht übermäßig ängstlich sein, auch nicht bei Knallgeräuschen.
Was braucht ein Verein dafür?
Für Unterordnung und Gewandtheit reicht ein normaler Hundeplatz mit Geräten: Tunnel mit Schlauch, Holzbrücke, Fassbrücke oder Schaukel, waagrechte Leiter und Tische mit 60 Zentimetern Höhe.
Für die Nasenarbeit braucht ihr Gelände. Eine Flächensuche verlangt schon in der Vorprüfung etwa einen halben Hektar Gelände mit Deckung, in den höheren Stufen bis zu vier Hektar. Eine Trümmeranlage ist kaum allein zu stemmen und muss die Sicherheitsvorschriften erfüllen. Hier helfen Kooperationen, etwa mit Feuerwehr oder Hilfsorganisationen, die eigene Anlagen haben.
Und ihr braucht Menschen: Versteckpersonen, die geduldig im Gebüsch oder unter Brettern warten, und für Prüfungen eine Prüfungsleitung. Prüfen dürfen nur Richterinnen und Richter mit der passenden Zulassung, die in der Regel anreisen.
Für wen passt das?
Laut DVG lässt sich grundsätzlich jeder Hund ausbilden, und Welpen können früh spielerisch herangeführt werden. Mensch und Hund müssen keine Hochleistungssportler sein. Wichtiger ist die Freude an einer gemeinsamen, sinnvollen Aufgabe.
Körperlich ist es trotzdem kein Spaziergang: Flächensuchen führen durch unwegsames Gelände, Trümmer verlangen vom Hund Trittsicherheit und Mut, und ihr seid bei jedem Wetter draußen.