Worum geht es?
Beim Mantrailing sucht der Hund einen ganz bestimmten Menschen. Vor dem Start bekommt er einen Gegenstand mit dessen Geruch zu riechen und folgt dann der Spur, die dieser Mensch hinterlassen hat. Anders als bei der klassischen Fährte orientiert er sich dabei nicht an zertretenem Boden, sondern am Individualgeruch der Person. Deshalb funktioniert Mantrailing auch auf Asphalt, über Kreuzungen und durch belebte Straßen.
Der Begriff kommt aus dem Englischen: „man“ für Mensch, „trailing“ für verfolgen. Die heutige Form stammt laut DVG aus Amerika. Der Hund arbeitet an einer langen Leine am Geschirr und gibt Tempo und Richtung vor, der Mensch folgt und liest seinen Hund.
Sport, nicht Einsatz
Wichtig ist der Unterschied zum Mantrailing der Rettungshundestaffeln. Die DVG-Prüfung ist nach eigener Aussage eine reine Sportprüfung. Eine Einsatzfähigkeit wird damit weder festgestellt noch angestrebt. Wer bei der Suche nach vermissten Menschen helfen will, geht einen anderen Weg: über eine Rettungshundestaffel, etwa bei Feuerwehr oder Hilfsorganisationen, mit eigener Einsatzausbildung und regelmäßig wiederholten Prüfungen. Mehr dazu auf der Seite zum Rettungshundesport. Sportliches Mantrailing im Verein ist dafür eine gute Grundlage, aber kein Ersatz.
Wie läuft eine Prüfung oder ein Turnier ab?
Die DVG-Prüfungsordnung kennt drei Stufen:
| Stufe | Länge | Alter der Spur | Gelände | Suchzeit |
|---|---|---|---|---|
| MT I | ca. 300 m | mind. 2 Stunden | ruhiges Wohngebiet, Wald, Wiese, mind. 1 Richtungswechsel | 15 Min. |
| MT II | ca. 600 m | mind. 4 Stunden | belebtes Wohngebiet, Kreuzungen, mind. 2 Richtungswechsel | 30 Min. |
| MT III | ca. 1000 m | mind. 15 Stunden | zusätzlich befahrene Straßen, mind. 4 Richtungswechsel | 45 Min. |
Eine erwachsene Versteckperson läuft die Spur vorher im normalen Schritt ab und dokumentiert den Verlauf, auch per GPS. Ihre Geruchsartikel werden verpackt und erst kurz vor dem Start an das Team gegeben. Der Hund sucht an einer mindestens 5 m langen Leine am Geschirr, der Abstand zum Menschen soll mindestens 3 m betragen. Gerannt wird nicht, eine Pause mit Wasser ist erlaubt. Am Ziel zeigt der Hund die Person an, zum Beispiel durch Bellen, Sitzen, Liegen oder indem er zum Menschen zurückläuft. Die Art der Anzeige wird vorher angemeldet.
Die Leistungsrichterin oder der Leistungsrichter läuft mit Abstand hinterher und vergibt bis zu 100 Punkte: 10 für die Aufnahme der Spur, 50 für das Verfolgen und die Teamarbeit, 40 für das Finden und Anzeigen. Ab 70 Punkten gibt es das Prädikat „Befriedigend“, ab 96 „Vorzüglich“.
Voraussetzungen
- Der Hund muss mindestens 15 Monate alt sein.
- Die Begleithundprüfung mit Verhaltenstest (BH/VT) muss bestanden sein.
- Der Hund braucht einen gültigen Leistungsnachweis, vor dem Start werden Chip und Wesen kurz geprüft.
- Wer mitläuft, muss bei Suchen im Straßenverkehr eine Warnweste tragen, im Dunkeln muss auch der Hund gut sichtbar sein.
- Kranke und verletzte Hunde sowie tragende und säugende Hündinnen sind ausgeschlossen. Eine Altersgrenze für Hundeführende nennt die Prüfungsordnung nicht.
Was braucht ein Verein dafür?
Einen eigenen Platz braucht Mantrailing kaum, dafür aber Gelände. Trainiert wird draußen, in Wald, Feld und vor allem in Wohngebieten mit wechselnden Untergründen. Für die höheren Stufen gehören belebte Straßen dazu. Das ist auf dem Land rund um einen kleinen Verein eher eine Frage von Fahrten und Absprachen als von Anschaffungen. An Material braucht ihr gut sitzende Suchgeschirre, lange Leinen, Warnwesten und Beutel für die Geruchsartikel.
Viel wichtiger sind Menschen. Jede Suche braucht eine Versteckperson, und für Prüfungen kommen Spurenlegende, Helfende zur Absicherung des Verkehrs und eine Prüfungsleitung hinzu. Eine Prüfung findet nur statt, wenn mindestens vier Hundeführende teilnehmen, und sie braucht Terminschutz beim DVG. Abnehmen dürfen sie nur DVG-Leistungsrichterinnen und -richter für Mantrailing oder für die internationale Rettungshundeprüfung. Die DVG-Richterliste nennt derzeit niemanden aus Sachsen-Anhalt, Sachsen oder Thüringen, ihr müsst also mit Anreise rechnen. Der DVG bietet außerdem Kurse und Seminare an.
Für wen passt das?
Laut DVG passt Mantrailing zu fast allen Hunden und Menschen, unabhängig von Alter, Rasse und Ausbildungsstand. Viele Familienhunde finden in der Nasenarbeit eine artgerechte Auslastung.
Für die Menschen ist es körperlich fordernder als Spürhundsport. Ihr lauft teils weite Strecken über wechselnden Boden und müsst die Leine geschickt führen. Einsteigen lässt sich mit kurzen, frischen Spuren. Die Herausforderung wächst dann mit Länge, Alter der Spur und Ablenkung.