Worum geht es?
Zoll, Polizei und Rettungshundestaffeln setzen schon lange auf die Nase ihrer Hunde. Aus dieser Arbeit ist der Spürhundsport entstanden, kurz SHS. Der VDH hat ihn 2022 als eigene Hundesportart anerkannt. Seitdem gilt eine gemeinsame Prüfungsordnung, die auch der dhv mit seinen Mitgliedsverbänden wie dem SGSV nutzt.
Der Hund lernt zuerst den Geruch seines persönlichen Suchgegenstands kennen. Das ist ein kleiner Alltagsgegenstand, etwa ein Feuerzeug, eine Wäscheklammer, ein Korken, ein Schlüssel oder ein Stück Leder. Feste Zielgerüche wie beim Zoll gibt es nicht. Jeder Hund sucht sein eigenes Material, und Gegenstände mit fremden Gerüchen wie Futter oder Parfüm lehnt die Richterin oder der Richter ab. Hat der Hund den Gegenstand gefunden, legt er sich ruhig davor ab und hält die Nase möglichst nah an die Fundstelle. Bellen, Scharren oder Aufnehmen sind Fehler.
Die Arbeit sieht von außen ruhig aus, ist für den Hund aber anstrengend. Laut Prüfungsordnung entspricht eine Suche von zehn Minuten etwa einem einstündigen Spaziergang.
Wie läuft eine Prüfung oder ein Turnier ab?
Es gibt drei Suchdisziplinen:
- Trümmersuche: ein Feld von 4 × 4 m aus ausgedientem Sperrmüll, unter dem der Gegenstand versteckt liegt.
- Flächensuche: eine abgesteckte Wiese von 10 × 20 m bis 10 × 30 m. Die Hundeführenden dürfen nur einen markierten, einen Meter breiten Mittelweg betreten.
- Behältnisstrecke: eine Reihe von Behältern mit kleinen Geruchsöffnungen, die der Hund nacheinander abarbeitet.
Die Disziplinen lassen sich einzeln oder als Dreikampf ablegen. Dazu kommen drei Leistungsklassen, die nacheinander erarbeitet werden:
- LK 1: ein Suchgegenstand, keine Ablenkungen, sechs gleiche Eimer.
- LK 2: zwei Suchgegenstände, dazu Spielzeug als Ablenkung und eine Stelle, die der Mensch vorher angefasst hat. Acht Eimer.
- LK 3: drei Suchgegenstände, zusätzlich Futter als Ablenkung, Verstecke in der Höhe und ein ähnlicher Gegenstand aus gleichem Material, den der Hund vom richtigen unterscheiden muss. Zehn unterschiedliche Behälter wie Koffer, Kisten oder Rucksäcke. Hier sucht der Hund ohne Leine.
Für jede Suche gibt es in der Regel fünf Minuten, in der Fläche der LK 2 und LK 3 etwas mehr. Die Richterin oder der Richter versteckt den Gegenstand, während das Team außer Sicht wartet. Jede Disziplin bringt bis zu 100 Punkte, davon 60 für die Suche und 40 für die Anzeige. Bestanden ist mit 70 Punkten je Disziplin. Eine falsche Anzeige kostet 10 Punkte, nach der dritten ist die Suche beendet.
Voraussetzungen
- Der Hund muss mindestens 15 Monate alt und gechippt oder tätowiert sein.
- Eine Begleithundprüfung ist für den Start nicht vorgeschrieben. Nur wer wegen unverträglichen Verhaltens disqualifiziert wurde, muss vor dem nächsten Start eine BH nachweisen.
- Halterin oder Halter und Hundeführende müssen Mitglied in einem Verein des VDH sein, der Hund braucht eine Haftpflichtversicherung und eine gültige Tollwutimpfung.
- Für Jugendliche unter 18 unterschreiben die Eltern die Anmeldung.
- Wer körperlich eingeschränkt ist, sagt das bei der Anmeldung. Die Prüfungsordnung sieht dafür ausdrücklich Absprachen vor.
Was braucht ein Verein dafür?
Hier ist der Spürhundsport für einen kleinen Verein besonders dankbar. Teure Geräte braucht es nicht. Das Trümmerfeld entsteht aus Sperrmüll, die Eimer mit Riechkammern lassen sich selbst bauen, und für die Fläche reicht ein Stück Wiese. Behältersuche geht auch drinnen, etwa im Vereinsheim. Zum Start empfiehlt der DVG pro Hund und Gegenstandsart ein Schraubglas mit fünf gleichen Suchgegenständen, dazu ein paar Gummimatten als Verstecke und einen gelochten Eimer.
Für Prüfungen werten SHS-Wertungsrichterinnen und -richter des VDH, die über den Verband eingeteilt werden. Der Verein stellt eine volljährige Prüfungsleitung aus den eigenen Reihen, beantragt den Terminschutz und baut die Suchlagen nach Prüfungsordnung auf. Gemeldet sein müssen mindestens acht Teilnehmende.
Für die Übungsleitung bieten die Verbände Ausbildung an. Der SGSV hat Einsteigerseminare und eine Trainerschulung für SHS angeboten, 2025 unter anderem beim HSV Coswig (Anhalt) in Sachsen-Anhalt. Auch der DVG bildet Trainer und Richter für SHS aus.
Für wen passt das?
Fast jeder Hund kann mitmachen, unabhängig von Rasse, Größe oder Alter. Die Prüfungsordnung nennt ausdrücklich auch ältere Hunde, Hunde mit Handicap und ängstliche Hunde. Weil die Arbeit ruhig und kleinschrittig aufgebaut ist und mit Belohnung arbeitet, eignet sie sich gut als Ausgleich zu schnellen Sportarten.
Für die Menschen ist die körperliche Belastung gering, ihr müsst weder rennen noch weite Strecken laufen. Der DVG sieht SHS deshalb auch als Möglichkeit für Hundeführende mit Einschränkungen und als Wintertraining für Teams aus anderen Sportarten.